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Wer das nötige Kleingeld hat, schmückt seine Wohnung oder sein Eigenheim noch so gerne mit einem Original-Gemälde, einer Original-Skulptur aus dem Schaffen richtiger Künstler. So ein Stück wirkt inspirierend, begleitet einen durchs Leben. Es hebt natürlich auch das Prestige bei Besuchern und könnte sich zudem irgendwann, wer weiss, sogar als veritable Wertanlage erweisen. Jedoch hat Hans-Hendrik Barth vor allem an ein weniger betuchtes Kundensegment gedacht, als er vor sieben Jahren erste Ideen zusammentrug, die schliesslich zum Unternehmen «Kunstausleih» das bis jetzt aus sechs Künstlern der Bereiche Malerei, Fotografie und Plastik besteht geführt haben.
Dem Zeitgeist Rechnung tragen
Der in der DDR aufgewachsene Maler wollte einem breiteren Publikum Original-Werke zu erschwinglichen Preisen zugänglich machen. Mietbare Kunst würde aber nicht nur deren Fans, sondern auch der Sache selbst und ihren Produzenten-Vorteile bringen. Nicht zuletzt «eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit Gegenwartskunst» wollte der heute 44-jährige mittels der in der Schweiz neuartigen Mietplattform fördern. So könnte man sowohl den Mut der Kundschaft zu Neuem, Herausforderndem animieren als auch bislang unbekannteren Namen vielleicht zu mehr Öffentlichkeit verhelfen. Zudem: Während ein Kauf endgültig ist, begleitet einen ein gemietetes Objekt nur auf Zeit im Fall des «Kunstausleihs» für mindestens ein Jahr. Das kommt dem wechselhaften Zeitgeist entgegen, findet Barth: «Die Mensehen entwickeln und verändern sich in ihren Biografien zunehmend schneller. Dem muss auch der Umgang mit Kunst Rechnung tragen.»
Das Projekt scheint sich in der Wirklichkeit zu bewähren. Angeregt durch ähnliche, längst institutionalisierte Vorbilder in Deutschland, Holland und den USA, wurde im Oktober der Verein «Kunstausleih» in Zürich offiziell gegründet. Vorausgegangen war dem im Februar eine Gemeinschaftsausstellung im Technopark, die laut Barth auf ein gutes Echo stiess. Bislang können neben jenen Barths auch Bilder gemietet werden von Rita Cedraschi, Inez van Deelen und Tina Held. Ebenfalls via die Homepage bestellbar sind einige Werke des Fotokünstlers Thomas Rehsteiner und Exemplare aus dem Skulpturen-Nachlass von Margo.
Interessierte können «Kunstausleih»-Anbieter aber sowohl via Internet-Sammelpool als auch weiterhin direkt in ihren jeweiligen Ateliers kontaktieren. Eine permanente Ausstellung im Treppenhaus des Wohnprojekts «Karthago» an der Zentralstrasse 150 gibt einen tieferen Einblick ins Wirken der Kunstschaffenden. Rund 50 Objekte sind bereits für ein Jahr in «feste Hände» gewandert. Die «Kunstausleih»-Kundschaft besteht laut Barth etwa je zur Hälfte aus Geschäfts- und Privatleuten. Entgegenkommend ist die Mietpreisbasis, die zwischen 10 und 25 Prozent des Kaufwertes beziehungsweise bei mindestens 200 Franken liegt. Bei Bedarf bietet der «Kunstausleih» auch eine Lieferung frei Haus an, natürlich zuschlagspflichtig, Ist man da nicht ein bisschen zu günstig? Kann die Rechnung der Kunstschaffenden am Ende überhaupt aufgehen? Durchaus, meint Barth.
Mehr Erlebniswert
Da die hohen üblichen Galerieabgaben entfielen und der Vereinsobolus tief sei, sei man schon nach zwei bis vier Jahresvermietungen finanziell «draussen». Bessere Kunst-Verbreitung und ein erleichterter Zugang zum Bewusstsein der Öffentlichkeit sind beim «KunstAusleih»-Zusammenschluss jedoch schon wichtiger als der ökonomische Aspekt. Hendrik Barth ist gar der Ansicht, dass Kunst, die bloss für eine begrenzte Zeit zu Gast ist bei den Leuten, von diesen bewusster wahrgenommen wird: «Der Produktewert rückt dann in den Hintergrund, und der Erlebniswert nimmt zu grad so wie beim Theater oder bei der Musik.»
Weihnachts-Geschenkgutscheine
Nachdem beim «Kunstausleih» die Strukturen geklärt sind, steht als nächster Schritt die Ausweitung der Mitgliederzahl und somit des «Sortiments» auf dem Programm. Vielseitigkeit ist angesagt. Dabei orientiert man sich auch über die Zürcher Stadt- und Kantonsgrenzen hinaus. Der Internetauftritt wird bald erweitert. Weihnachts-Geschenkgutscheine für mietbare Kurst sind bereits im Angebot. Im Herbst 2003 (Anm.: Korrektur des Kunstausleihs) gibts nochmals eine Ausstellung im Technopark, und vom 9. bis 12. Mai 2003 werden Arbeiten in der Zuger Altstadt-Halle zu sehen sein.
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